NEWS


Appenzeller Volksfreund Samstag, 31.10.2020

 

Der Bau von Anlagen stösst seit längerem auf heftigen Widerstand – aber auch auf Unterstützung

 

Viel Wirbel um die Windenergie in Oberegg

 

Valentin Gerig ist Verwaltungsrat der Appenzeller Wind AG. Er akzeptiere verschiedene Meinungen zur Windenergie und zum Projekt. Er wünsche sich aber auch von den Kritikern des Vorhabens eine Besinnung auf Wahrheit und Sachlichkeit, wenn es darum gehe, gegenüber politischen Entscheidungsträgern oder der Bevölkerung einen Standpunkt zu vertreten, betont er.

 

Der «Appenzeller Volksfreund» greift mit einem Interview mit Valentin Gerig verschiedene Punkte auf, die in der an die Grossratsmitglieder verschickten Broschüre des Vereins Pro Landschaft AR/AI aufgegriffen wurden.

 

Valentin Gerig, die Kritiker der Windenergie stellen dar, in der Schweiz seien zur Erreichung der politischen Ziele 4000 Windräder notwendig. Ist das realistisch?

 

Valentin Gerig: Gemäss der Energiestrategie des Bundes soll Windstrom bis 2050 rund sieben Prozent des Strombedarfs der Schweiz decken. Dazu sind zirka 800 bis 900 Windenergieanlagen notwendig, und diese stehen sicher nicht alle auf engstem Raum. Die Schweiz ist gross genug und hat so viele Hügel und Berge, dass man nicht von jedem Flecken aus einen Wald von Windenergieanlagen sieht.

 

Hat es an dem Standort des Oberegger Projekts im Oberfeld überhaupt genügend konstanten Wind?

 

Wir haben die Windverhältnisse am Projektstandort im Oberfeld über 14 Monate mit einem 99 Metern hohen Mast gemessen. Die beigezogenen Spezialisten haben uns gezeigt, dass die durchschnittliche Windgeschwindigkeit auf Nabenhöhe etwa 5.8 Meter pro Sekunde beträgt, was deutlich mehr ist als der Kanton fordert. Unser Standort ist im schweizweiten Vergleich an sehr guter Stelle. Natürlich hat es dort weniger Wind als an der Nordseeküste. Windkraftwerke an der Nordsee leisten aber keinen Beitrag zur Versorgungssicherheit der Schweiz.

 

Was geschieht bei Stürmen - wird die Anlage dann abgestellt?

 

Ja, um Sturmschäden am Rotor zu vermeiden, wird eine Windenergieanlage abgestellt, sobald die Windgeschwindigkeit zirka 90 Kilometer/h übersteigt.

 

Wird die Nachbarschaft durch die Lärmemissionen beeinträchtigt? 

 

Wenn ich Windparks besuche, höre ich vor allem das Rauschen des Waldes und keine Windenergieanlagen. Aber ja, es lässt sich nicht bestreiten, dass man Windenergieanlagen je nach Wetter und Wind hören kann. Dabei müssen die Grenzwerte der Lärmschutzverordnung eingehalten werden. Deshalb ist auch ein Minimalabstand von 300 Metern zu ganzjährig bewohnten Gebäuden einzuhalten. Das ist ausreichend, wie die erstellten Lärmgutachten zeigen. Das Heugebläse des Nachbarn, Motorräder oder das vorbeifahrende Postauto erzeugen deutlich mehr Lärmimmissionen. Und trotzdem hat man sich daran gewöhnt.

 

Gibt es Schattenwurf für nahegelegene Häuser?

 

Wir haben eine Studie erstellen lassen. Dabei wurden die Immissionen der drehenden Rotoren und der sogenannte «Disco-Effekt», der sich aus der Reflexion von Lichtstrahlen an einem Rotorflügel ergeben kann, auf 36 potenziell betroffene Gebäude simuliert und Massnahmen aufgezeigt. Es ist geplant, die Windenergieanlagen mit Schattenwurfdetektoren auszurüsten, die mit der Anlagensteuerung verbunden sind. Werden die Grenzwerte von acht Stunden pro Jahr und 30 Minuten pro Tag überschritten, werden die Anlagen ausgeschaltet.

 

Strom muss doch verbraucht werden. Was geschieht mit dem überschüssigen Strom?

 

Der gesamte Strom, der mit den Windenergieanlagen erzeugt werden kann, wird ins Stromnetz eingespeist. Der Käufer kann ein Elektrizitätswerk sein, ein Stromhändler oder auch ein Industrieunternehmen. Der Strom kann überallhin verkauft werden, auch ins Ausland. Das ist aber nur die kommerzielle Betrachtung. In Realität bleibt der Strom physikalisch in der Region und geht vom Ort der Produktion zu den nächstgelegenen Verbrauchern, ganz unabhängig davon von welchem Lieferanten sie ihren Strom kaufen. Dies wird dazu führen, dass weniger Strom aus dem Kernkraftwerk Beznau in die Ostschweiz fliesst und weniger Strom importiert werden muss.

 

Woher kommt der Strom bei Windstille und wie wird er hergestellt?

 

Die Stromversorgung der Schweiz ist ein Gesamtsystem, zu dem alle Produktionstechnologien wie Windenergie, Wasserkraft, Kernenergie, Photovoltaik, später vielleicht Gaskraftwerke und auch Importe einen Beitrag leisten. Die Stromversorgung der Schweiz ist nicht abhängig von der Windenergie. Diese leistet aber einen Beitrag dazu. Windet es nicht, wird der benötigte Strom durch die anderen Produktionstechnologien und über Importe sichergestellt. Wenn man die unregelmässige Produktion der Windenergieanlagen als Problem darstellt und Solarstrom als Alternative preist, so wie das die Kritiker der Windenergie oft tun, muss man sich doch fragen, woher denn der Strom in der Nacht kommt, wenn die Sonne nicht scheint.

 

Wie lange ist denn die Lebensdauer des Masts?

 

Der Mast besteht aus Betonelementen und Stahl. Die Lebensdauer liegt sicher Jahrzehnte über der Lebensdauer der technischen Teile der Anlage. Bei einer Betriebsdauer von angenommen 25 Jahren ist sicher nicht der Mast das massgebende Kriterium für einen Stilllegungs- oder Abbruchentscheid.

 

Wie sieht es denn mit der Entsorgung, dem Rückbau und allfälligen Alstlasten aus?

 

Windenergieanlagen können vollständig zurückgebaut werden. Sie hinterlassen keine Altlasten oder Narben in der Natur. So gesehen «verbraucht» eine Windenergieanlage kein Land. Dieses wird vielmehr für eine beschränkte Zeit im Interesse der Versorgungssicherheit und als Beitrag zur Erreichung der Klimaziele ausgeliehen.

 

Also geht es bei dem Thema um Wind- versus Solarenergie?

 

Windenergie ist kein «versus», sondern eine Ergänzung zur Solarenergie. Beide Technologien erzeugen erneuerbare elektrische Energie. Bei beiden ist die Stromproduktion kaum steuerbar. Die Technologien ergänzen sich aber gut, weil Solaranlagen vor allem im Sommer Strom erzeugen. Bei Windenergieanlagen in der Schweiz fallen demgegenüber zwei Drittel der Jahresproduktion im Winter an. Genau dann, wenn man hierzulande Strom importieren muss. Die Produktion von Windenergie in der Schweiz reduziert die Abhängigkeit vom Ausland, und zwar bei einem der wichtigsten Versorgungsgüter der Gesellschaft. Was Abhängigkeit von anderen Ländern bedeuten kann, mussten wir kürzlich bei der Lieferung von Hygienemasken erfahren.

 

Geht von den Windenergieanlagen eine Gefahr für die Vögel aus?

 

Windenergieanlagen beeinträchtigen Vögel und Fledermäuse kaum. Trotzdem ist es natürlich unbestritten, dass diese je nach Standort für bereits bedrohte Vogel- und Fledermausarten problematisch sein können. Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst und berücksichtigen in unserem Projekt die Umweltverträglichkeit und den Schutz dieser Tiere. Dazu haben wir umfangreiche Zählungen und Studien zur Beeinträchtigung erstellen lassen. Allein um den vermuteten Auswirkungen zu begegnen, werden Massnahmen zur Einhaltung der Umweltverträglichkeit ergriffen. Dazu gehört, dass die Windenergieanlagen mit einer neu entwickelten Vogelschutztechnik mit einem akustischen Warnsignal ausgerüstet werden oder bei gewissen Wetterkonstellationen die Anlagen abgeschaltet werden.

 

Kann der erzeugte Strom gespeichert werden?

 

Nicht im Oberfeld. Weshalb auch? Wenn die Windenergieanlagen Strom produzieren, bezieht die Schweiz weniger Kohlestrom und Kernenergie aus dem Ausland oder es muss weniger Kernenergie produziert werden. Darin liegt der Sinn einer inländischen Stromproduktion aus erneuerbaren Energien. Die beiden Anlagen in Oberegg haben auch kaum Auswirkungen auf die Gesamtstromproduktion in der Schweiz. Es wäre völlig verfehlt, für die beiden Windenergieanlagen in Oberegg eine eigene Speichermöglichkeit zu realisieren.

 

Wann beginnt der Mast, die sogenannte <Spargel> zu rentieren? Wann ist der Break-Even, die Gewinnschwelle der Windanlage erreicht?

 

In diesen Berechnungen ist natürlich sehr viel Unsicherheit enthalten, weil die Förderbedingungen für die Windenergie ändern werden und diese neu im freien Markt verkauft werden muss. Wir gehen heute davon aus, dass wir mit den beiden Anlagen ab dem zwölften Betriebsjahr Gewinn schreiben.

 

Sind Strassenbauten, Verbreiterungen nötig?

 

Die heutige Walderschliessungsstrasse von der Honeggstrasse zu den Standorten der beiden Windenergieanlagen sind zu steil und müssen auch teilbefestigt und für den Bau und für den Abbruch der Anlagen verbreitert werden. Natürlich ist dazu ein Holzschlag notwendig. Die Landeigentümerin ist aber froh darum, denn so können endlich grössere Fahrzeuge für die Waldnutzung eingesetzt werden. Die Strasse wird nach dem Bau der Anlagen soweit zurückgebaut, dass diese den Bedürfnissen der Waldeigentümer entspricht und der gerodete Waldbestand wird wieder aufgeforstet. Der Baumbestand wird dadurch verjüngt und die Biodiversität kann verbessert werden.

 

Beeinträchtigen die Windenergieanlagen die Immobilienpreise auf der Honegg?

 

Das ist ein von den Gegnern leider oft gehörtes, aber unzutreffendes Argument. Es gibt verschiedene Studien aus dem In- und Ausland die nachweisen, dass Windenergieanlagen keinen nachhaltigen Einfluss auf die Immobilienpreise haben. Nein.

 

Sind neue Strommasten nötig?

 

Nein.  Der Anschluss der Windenergieanlagen ans Stromnetz der Elektra Oberegg erfolgt vom Standort der Anlagen mittels erdverlegter Kabel über die Waldstrasse zur Honeggstrasse und von dort zur Trafostation Haggen. Neue Strommasten gibt es zur Beruhigung aller also nicht.

 

Interview Andy Huber

 


8. Dez 2019

 

Grosser Rat fordert Gegenvorschlag zur Initiative pro Windenergie

Am 2. Dezember behandelte der Grosse Rat die von einem überparteilichen Komitee eingereichte Initiative pro Windenergie.

Er beauftragte die Standeskommission mit der Ausarbeitung eines Gegenvorschlags.

 

Die Appenzeller Wind AG begrüsst den Entscheid des Grossen Rates.

Dieser hat mit 38 von 50 Mitgliedern die Standeskommission mit der Ausarbeitung eines Gegenvorschlags

zu der eingereichten Initiative pro Windenergie beauftragt.

Dies wird als ein starkes Zeichen des Grossen Rates für die Nutzung der Windenergie im Kanton und gegen

die bisherige Politik der Kantonsregierung gewertet. Ob schlussendlich die eingereichte Initiative oder

ein vom Grossen Rat gestützter,  tauglicher Gegenvorschlag der Regierung von der Landsgemeinde angenommen wird,

ist unerheblich.

Es geht darum, dass der Nutzung der Windenergie im Kanton zum Durchbruch verholfen wird. 

 

Als nach wie vor unverantwortlich wird die Position der Standeskommission beurteilt, dass sie erst auf den Richtplanentscheid

zum Windenergieprojekt in Oberegg zurückkommen zu will, wenn sich eine «drastische Verschlechterung der Versorgungslage» eingestellt hat.

 

Die Appenzeller Wind AG setzt sich weiterhin mit aller Kraft für die Realisierung des Windenergieprojekts in Oberegg ein

und prüft derzeit auch die Einreichung einer Initiative pro Windenergie in Appenzell Ausserrhoden.

 

Auch dort bleiben die vorhandenen Potenziale aufgrund der passiven Politik der Regierung ungenutzt.

 

 


24. Mai 2019

 

Initiative pro Windenergie und Petition pro Windkraft im Oberfeld werden
eingereicht

Die Appenzeller Wind AG hat sich nach der Ablehnung des Richtplaneintrages durch die Standeskommission mit verschiedenen Befürwortern des Windenergieprojekts im Gebiet Oberfeld/Honegg besprochen. Auch wenn die Standeskommission die weiteren Arbeiten am Projekt mit ihrem Nein vorläufig gestoppt hat, bleibt das Oberfeld ein sehr guter Windenergiestandort und die Notwendigkeit, Stromproduktionskapazitäten in der Schweiz aufzubauen, die vor allem im Winter Strom produzieren, akzentuiert sich immer mehr. Es wurde deshalb entschieden, mit der Einreichung einer Initiative für ein neues Windenergiegesetz den politischen Dialog um die Nutzung der Windenergie im Kanton Appenzell I.Rh. zu lancieren und günstige Voraussetzungen für die Realisierung des Projekts in Oberegg zu schaffen.

Unter Einbezug von Fachexperten, Juristen und Mitgliedern des Grossen Rats und nach Konsultation von Verantwortlichen auf Stufe Bund und des Branchenverbandes Suisse Éole wurde ein neues Windenergiegesetz für Appenzell I.Rh. entworfen und der Ratskanzlei zur formellen Vorprüfung unterbreitet. Auch wenn es in Appenzell I.Rh. für eine Initiative nur eine einzige Unterschrift braucht, wurde ein Initiativkomitee gebildet. Die Mitglieder des Initiativkomitees sind zugleich die Unterzeichner der Initiative. Neben Werner Geiger, Oberegg, als Vertreter der Appenzeller Wind AG, haben im Komitee mit Markus Ehrbar, Oberegg, Präsident der Interessengemeinschaft Appenzeller Naturstrom, und mit Fabian Ulmann, Oberegg, Präsident des Vereins Jugend pro Windrad, Vertreter wichtiger Befürwortergruppen des Windenergieprojektes im Komitee Einsitz genommen. Mit Grossrätin Gerlinde Neff-Stäbler, Appenzell Steinegg, und der ehemaligen Grossrätin Ruth Corminboeuf-Schiegg, Appenzell, ist die politische Kompetenz und mit Beni Gmünder aus Haslen auch das Unternehmertum im Initiativkomitee vertreten. Die Initiative und wird am 28. Mai der Ratskanzlei in Appenzell übergeben.

Gleichzeitig mit der Einreichung der Initiative wird vom Verein Jugend pro Windrad eine Petition eingereicht, welche die Realisierung des Windenergieprojekts in Oberegg fordert. 1'563 Petenten haben unterschrieben, davon 811 aus Oberegg und den umliegenden Gemeinden. Der Verwaltungsrat der Appenzeller Wind AG ist über die Zustimmung und Unterstützung aus der direkt betroffenen Bevölkerung begeistert und dankt allen, die sich für das Windenergieprojekt im Oberfeld einsetzen.

Die grosse Zahl einheimischer und regionaler Petenten relativiert das Ergebnis des vom Kanton im letzten Jahr durchgeführten öffentlichen Einwendungsverfahren deutlich und zeigt, wie fragwürdig der ablehnende Entscheid der Standeskommission zum Richtplaneintrag ist. Für den Verwaltungsrat der Appenzeller Wind AG ist es deshalb der einzig richtige Weg, am Projekt festzuhalten und die Frage der Nutzung der Windenergie dem Stimmvolk zum Entscheid vorzulegen.

 

 

Kontakt: 

Appenzeller Wind AG, Valentin Gerig, Verwaltungsrat
valentin.gerig@appenzellerwind.ch
Mobile 079 671 16 12


Download
Initiativtext Pro Windenergie
Initiative pro Windenergie 24.05.2019.pd
Adobe Acrobat Dokument 196.1 KB
Download
Petitionstext
Petitionstext pro Oberfeld.pdf
Adobe Acrobat Dokument 378.1 KB

 

Oberegg

319

AI Inneres Land

214

AR umliegende Gemeinden

285

AR Rest

163

SG umliegende Gemeinden

207

SG Rest

258

CH Rest

115

Österreich

2

 

1563

   

übriges Ausland

6

 


Unsere Meinung

 

„Das Projektgebiet für die Windenergieanlagen liegt innerhalb eines Hochwildjagdgebietes. Wildruhezonen oder Jagdbanngebiete sind keine betroffen. Die Patentjäger von Oberegg unterstützen die Produktion erneuerbarer Energie in der Region und sehen mit Wohlwollen auf das Projekt der Appenzeller Wind AG im Oberfeld." 

 

Patentjäger von Oberegg